Sie sind hier:Über uns*Unsere Pastoren*DÄN backstage*

Hurra, ich habe soeben meine 36. Sommerferien überlebt!

Und wie ich mich jedes Jahr wieder auf die Sommerferien freue! Eine arbeitsintensive Zeit neigt sich im Juli dem Ende zu, die Emails und Facebook-News-Feeds nehmen drastisch ab und plötzlich reicht der iPhone-Akku sogar fast für zwei Tage. Natürlich ist da noch der gewohnte Schlussspurt von zwei obligaten Nachtschichten, damit man dann während den Ferien auch wirklich mal vom Arbeitsalltag abschalten kann. Und dann geht’s endlich los: Für uns Zeltners gilt es alle zwei Jahre im Sommer nach Rumänien zu fahren um die Familie meiner Frau zu besuchen. Es ist im Voraus klar, dass dies nicht mit schönen Hotelplan-Strandferien zu vergleichen ist, schliesslich verbringen wir da zwei Wochen im 6. Stock eines zu kommunistischen Zeiten erbauten Russenblocks. Vielleicht ist die Rede von Ferien falsch – nennen wir es lieber “Abenteuer”.

 

Beginnen tut dies jeweils mit der 16-stündigen Fahrt Richtung Osten. Dieses Mal hatten wir das Vergnügen, dass bei 35°C Aussentemperatur die Klimaanlage unseres Sharans ausstieg und nebst der erdrückenden Hitze auch ziemlich viel Unmut im Auto herrschte. Bei unseren vier Kindern, die sich auch bei normalen Temperaturen auf den Rücksitzen gerne an den blonden Haaren ziehen, war diesmal der Geduldsfaden bereits nach einer Stunde gerissen. So musste ich während dem Fahren nicht nur drauf achten, dass ich in keine Radarfallen fahre, sondern zusätzlich immer wieder mit einer Hand nach hinten greifen und abwechslungsweise eines der Kinder mit starker väterlicher Zuneigung vor durchaus härteren Massnahmen warnen. Für alle Multi-Takser scheint dies nichts aussergewöhnliches zu sein, jedoch bestand meine Herausforderung zusätzlich darin, meine Fahrerverpflegung – die M&Ms, welche ich zwischen meinen Beinen vor den Kids zu verstecken versuchte, nicht zu verschütten.

 

Nach acht (gefühlten zwölf) Stunden Fahrt kamen wir endlich in Wien an um dort zu übernachten. Da man als 6-köpfige Familie kein genug grosses Hotelzimmer finden kann, blieb uns nichts anderes übrig als in einer Jugendherberge einen “Sechserschlag” mit Kajüten zu buchen. Natürlich teilt man da auch ein Gemeinschaftsbad mit all den Junggesellen aus Amerika, die in ihrem Leben offenbar noch nie von zu Hause weg waren und sich’s gewohnt sind, dass Mom den Scheiss wieder sauber macht. Anyhow, wir haben’s überlebt und unsere Kinder sind ein Stück dankbarer geworden, dass auch bei uns zu Hause in der schönen Schweiz Mami den Scheiss immer wieder sauber macht. Am nächsten Tag ging’s in Wien in die Badi. Das Thermometer zeigte stolze 36,7°C an und wir wollten uns vor der Weiterreise noch kurz eine Abkühlung gönnen und etwas relaxen. Aber bis man seinen vier Kindern die Badehosen angezogen, Sonnencreme eingeschmiert, Schwimmhilfen aufgeblasen und jeder noch sein Geschäft auf der Toilette verrichtet hat, ist man doppelt ferienreif. Umso mehr genossen wir dann ein paar Stunden im kühlen Nass, waren uns aber nie bewusst, dass man nach dem Besuch einer Wiener Freiluftbadeanstalt mit einer rosaroten Hautfärbung aus-checked. Ja, wir haben es tatsächlich geschafft, uns schon am zweiten Tag unserer Sommerferien dermassen zu verbrennen, dass wir für die nächsten sieben Tage nicht mehr an die Sonne durften. So mussten wir uns gezwungenermassen eine Woche lang im Russenblock meiner Schwiegereltern einbunkern und brachten dank unserer pinken Haut für einmal etwas Farbe in den sonst so grauen Plattenbau rein. Wer aber denk, dass Sommerferien im 6. Stock einer typischen 80-Quadratmeter-Sowjet-Wohnung mit einer durchschnittlichen Innentemperatur von 29,5°C für vier Kinder und vier Erwachsene (gefühlte 5 Erwachsene, schliesslich redet meine Schwiegermutter so viel wie zwei Mütter zusammen) langweilig sei, hat sich getäuscht.

 

Speziell zu erwähnen wären da die nächtlichen Observierungen und Hetzjagden der lokalen Fauna. Meiner Vermutung nach hat es sich unter den Rumänischen Mückenschwärmen rumgesprochen, dass da für kurze Zeit süsses Schweizer Blut zu haben sei. So schienen die Biester auch vor dem abschreckenden Antibrumm-Gestank nicht Halt zu machen, um an etwas zartes Schweizer Fleisch ranzukommen. Aber die Plagegeister hatten wohl nicht damit gerechnet, dass sie es hier mit DÄN the Man zu tun haben, der sonst im Alltag wegen seiner pastoralen Verantwortung alle seine Rambo-Gelüste unterdrückten muss. Und so habe ich mir während meinen Ferien die Freiheit genommen mich selbst zu sein und, wie so oft auch in den Nächten vom Samstag auf Sonntag, wo ich zwischen 2 und 5 Uhr morgens meine Predigten fertig schreibe und dabei zu Höchstleistungen auflaufe, nachtaktiv zu werden. Die nächtlichen Eskapaden führten aber dazu, dass ich am Morgen meine Stille Zeit verschlafen habe und dann eben ohne meinen Gott-Start in den Tag katapultiert wurde. Es ist und bleibt eine meiner grössten Herausforderungen, wenn ich nicht in meinem gewohnten Alltagsrhythmus bin, Raum für meine persönlichen Gebetszeiten zu finden. Ohne jetzt gleich übergeistlich zu werden und meinen Heiligenschein aufzusetzen, muss ich hiermit mal offen zugestehen, dass ich meinen Morgenspaziergang mit meinem Himmlischen Vater wirklich brauche. Sonst komme ich einfach nicht auf Touren und meine Mitmenschen bekommen dann einen überaus passiven, eigensinnigen und launischen DÄN Zeltner zu spüren. Ich hasse es, wenn ich mich selbst in dieser Haut erlebe – leider war dies die letzten paar Tage aber genau der Fall. Das absolut schlimmste für mich an Ferien sind nicht die Staus auf der Autobahn, der Verzicht aufs sonst so geliebte eigene Kopfkissen oder das Teilen meiner Zahnbürste mit meiner Frau, die einmal mehr vergessen hat ihre eigene einzupacken; das schmerzhafteste an Ferien ist die Konfrontation mit mir selbst. Denn wenn ich nicht das mache, was mich sonst ausmacht, dann zeigt sich eben, wer ich wirklich bin. Und irgendwie ist es alle Jahre dasselbe – zum 36. Mal! Ich bin kein Ferientyp. Ich komme mit Nichts-Machen nicht klar. Ich halte es nicht aus für eine ganze Woche none-stop mit meiner Familie zu verbringen ohne mich regelmässig absondern zu können. Ich funktioniere ohne To-Do-Liste nicht und kann nicht einfach planlos in den Tag hineinleben. Und nebst all dem bin ich absolut allergisch drauf, wenn einem die liebe Schwiegermutter dauernd bedrängt, die kaum getragen Kleider zu wechseln, damit sie diese waschen kann (dabei sollte doch über die Schweizer Landesgrenze hinaus klar sein, dass man sich in den Ferien nur alle sieben Tage rasiert und es sich mit dem wechseln der Kleider und Unterwäsche ähnlich verhält, da man ja sowieso die meiste Zeit in den Badehosen rumläuft – besonders bei 29,5°C Innen- und 34°C Aussentemperatur).

 

Um diesen Blog nicht zu düster abzuschliessen, muss EINES sicherlich erwähnt werden: Was mich überaus dankbar stimmt, ist dass Gott keine Ferien macht und er trotz meiner Unfähigkeit und Überforderung ihm nahe zu sein, mittendrin statt nur dabei ist. Während sich Oana und ich in den letzten paar Tagen mehr gestritten haben als dies im letzten halben Jahr der Fall war und ich meine Kinder öfters angebrüllt habe als eigentlich nötig gewesen wäre, durfte ich trotz all meiner Zwiespälte Gottes Gnade erleben. Da war immer wieder die sanfte Einladung des Heiligen Geistes, mich in all dem nicht ganz so ernst zu nehmen und mich doch am Hier-und-Jetzt zu erfreuen. Wer denkt, dass das Finden von Dankbarkeit für einen Schweizweitbekannten Lobpreisleiter und Pastor eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist, hat sich voll getäuscht. Es ist und bleibt ein Kampf, den ich schon länger kämpfe. Der Drang etwas zu erreichen und mich selbst zu verwirklichen, hinterlassen oft eine Leere und Unzufriedenheit in mir. Zweieinhalb Wochen Sommerferien verstärken diese Symptome nur! Während diese Spannung in mir einmal mehr für viel Stress mit meiner Family gesorgt hat, kann ich doch sagen, dass Gott diese Ferien mit mir einen entscheidenden Schritt weiter gekommen ist. Wahrscheinlich werde ich auch nächstes Jahr bei meinen 37. Sommerferien noch nicht am Punkt sein, wo ich den Urlaub voll und ganz geniessen kann. Aber ich will es hiermit öffentlich machen und im World-Wide-Web verkünden, dass es mit DÄN Zeltner vorwärts geht! Und wenn es so weiter geht, dann werde ich rechtzeitig bevor ich mich von dieser Welt verabschiede zu einem richtigen Ferienspezialist und Family-Man.

 

Es bleibt die Erkenntnis, dass die wirklich wichtigen Dinge bei Gott auch in den Ferien angesprochen werden – alles andere darf bei seinem Ewigkeitsplan während den Urlaub auch mal Pause machen. Ich weiss, dass ich nicht der einzige bin, der während seinen Ferien mit sich selbst zu kämpfen hat. Es scheint die Blütezeit von Versuchungen, Schwermut und Selbstsüchtigkeit zu sein. Meine Ermutigung an uns alle ist, dass Gott auch während unsern Ferien nicht ausschläft und mit uns seine heilsamen Absichten verfolgt. Wenn Gott schon so wenig Aufmerksamkeit und Zeit von uns im Alltagstrott bekommt, dann nimmt er sich halt die Freiheit während den Ferien mit unseren Kämpfen zu dealen. Das tut dann gerne mal weh und verursacht etwas Stress. Aber, hurra, ich hab’s einmal mehr überlebt und habe, Ihm sei alle Ehre, auch ein Bisschen mehr an Reife und Freiheit gewonnen!

 

Ja, ich bin Superman!

Seit rund vier Wochen bin ich nun Vater von 4 Kindern. Meine Kapazität wurde mit der Geburt von Samuel abermals gestreckt. Jetzt muss ich meine Zeit noch besser einteilen. Da arbeite ich einen ganzen Tag und darf dann zu Hause meine verbleibende Energie mit einer Rasselbande teilen, die anscheinend den ganzen Tag sehnlichst auf mich gewartet hat. Wenn ich am Abend müde über die Türschwelle unserer Wohnung trete, rufen gleich drei Kinder “Daddy, Daddy”. Dies artet jeweils in einen Wettbewerb aus, wo’s drum geht wer jetzt am lautesten schreien kann und es zuerst schafft in meinen Armen zu landen. Wenn man bedenkt, dass der Alltag eines Pastors doch nicht nur von Heilungen, Heidenbekehrungen und Hochzeiten geprägt ist, muss dieses tägliche Ritual durchwegs als himmlischer Selbstwert-Booster eingestuft werden. Aber die Glücksgefühle dieser euphorischen Begrüssung sind nur von kurzer Dauer, denn jetzt muss ich den Erwartungen meiner Kinder auch gerecht werden. Ihrer Auffassung nach ist schliesslich soeben Superman in ihre Welt eingedrungen. Und dieser kann gleichzeitig Fussball spielen, Panini-Stickers tauschen, jeden einzelnen Fussballer der EM beim Namen nennen und erklären, wieso Christiano Ronaldo mehr Tore schiessen wird als unsere schwachen Nati-Stürmer. Superman hat aber auch eine total feminine Seite und kann Hüte basteln, Play-Doh Pizzas zubereiten und Prinzessinnen-Geschichten aus dem Stegreif erfinden. Er wäre aber kein Superheld, wenn er dazu nicht noch die verschwundene Fernbedienung finden und lustige Dinosaurier-Geräusche von sich geben könnte. Tja, Superman ist immer wieder selber überrascht, was da für Superkräfte in ihm lungern. Zum Glück aber äussert der kleine Samuel noch keine hohen Ansprüche an mich als seinen Vater. Unser Neugeborene interessiert sich seit Tag eins vollumfänglich nur für Brüste ;-) wodurch Superman verständlicherweise eine Nebenrolle einnimmt. Trotzdem zwingt mich auch Samuel, gerade wegen seines einseitigen Interesses und dem damit verbundenen Geschreis, mehr und mehr übernatürliche Kräfte anzuzapfen und wie die grossen Superhelden aus Hollywood nachtaktiv zu sein. Drei bis vier Stunden Schlaf pro Nacht sollten ja reichen, wenn man am andern Tag “nur” in der Kirche arbeiten muss. Um Leute zu ermutigen, Gottesdienste zu planen, sowie Sitzungen und Predigten vorzubereiten und nebenbei noch ein paar neue Worship-Songs zu schreiben, braucht es ja sowieso kaum körperlichen Einsatz, geschweige denn Hirnkapazität. Das sind schliesslich alles Aufgaben, die andere Gemeindeglieder auch ohne Entlohnung noch am Feierabend so locker vom Hocker machen.

 

Wenn der Vollzeit-Pastor sonst dafür bezahlt wird, dass er jeden Tag Stille Zeit machen und im Niederdörfli in hippen Cafés Leute treffen kann, dann sind für ihn die ersten paar Wochen mit dem Neugeborenen schon unter “Real Life Experience” einzuordnen. Dann nimmt auch Epheser 3:20 eine neue Dimension ein, wenn die Rede davon ist, dass Gott durch die mächtige Kraft die in uns wirkt unendlich viel mehr tun kann, als wir je bitten oder auch nur hoffen können. Momentan brauche ich diese Kraft nicht wie gewöhnlich um die Erweckung in Zürich voranzutreiben, sondern schlicht und einfach für die tägliche Totenauferweckung meinerseits, wenn um 6.45h der Wecker klingelt. Ja, ich bin ein Superman, auch wenn es sich gerade nicht so heldenhaft anfühlt und vor allem kaum etwas mit dem Retten der Welt zu tun hat. Aber es ist ein Fakt – ich bin tatsächlich besser als ich es gemäss meiner Kraft und Kapazität sein sollte und vor allem ist die mächtige Kraft in mir noch lange nicht ausgeschöpft. Schliesslich ist sie momentan auf eine noch viel krassere Art und Weise im Leben meiner Superfrau offenbar – Oana gibt sich mit unserer Rasselbande den ganzen Tag ab und kümmert sich dazu noch die ganze Nacht um den kleinen Sauger; Montag bis Freitag und am Wochenende eben auch. Wenn schon das “schwächere Geschlecht” so stark sein kann, dann kann auch “DÄN the man” ein wenig länger als Superman agieren und es vielleicht nicht nur auf der Bühne sein, sondern auch zu Hause – zum Lob Seiner Herrlichkeit!

 

Stille Nacht? Nein, bei Zeltner's kracht's!

An Weihnachten geht’s an der Carmenstrasse 8a in Zürich einiges weniger friedlich zu und her als sonst im Jahr. Unsere Weihnachtsstimmung hat wenig mit Besinnlichkeit zu tun – es ist oft disharmonisch und laut, wenn wir versuchen gemeinsam Weihnachten zu feiern. Während auf Facebook viele Posts von O-du-fröhliche-Familien kursieren, wage ich es hiermit einen ehrlichen Einblick zu geben, wie das Fest der Liebe bei einer nicht ganz so normalen 5-köpfigen Pastoren-Familie aussieht:

 

24. Dezember 2015

Wir als Familie sind es uns eigentlich gewohnt, dass immer etwas läuft, aber über Weihnachten herrscht Ausnahmezustand. Wir verbringen mehrere Tage zu Hause und kreieren somit die perfekte Umgebung um einander auf den Keks zu gehen. An Weihnachten kommt auch unsere inter-kulturelle Verschiedenheit mehr zum Vorschein als sonst. Da prallen Schweizerische Bräuche und Gewohnheiten auf Rumänische Traditionen und Werte. Beispielsweise haben Oana und ich eine total verschiedene Ansicht, wenn’s ums Geschenke-geben geht. Sie spricht die Liebessprache vom Schenken und lebt ihre grosszügige Art voll aus. Boom – jetzt kracht's zum ersten Mal seit wir den Tannenbaum in der Stube dekoriert haben! Oana's Geschenk-Manie kommt bei mir und «meiner» Kreditkarte überhaupt nicht gut an! Und es kracht zurück – schliesslich kommt ihr meine Geschenk-Phobie gar nicht gut in den Hals und sie weiss dies auch lautstark auszudrücken. Ich möchte doch nur ruhige Weihnachten – am liebsten sogar ohne Geschenke, dann gäbe es nämlich einen Stressfaktor weniger für mich. Oana hingegen lebt in der Adventszeit so richtig auf und scheint nahezu übernatürliche Kräfte zu erlangen um in den Weihnachtsrummel voll einzutauchen. Sie drückt ihre Dankbarkeit und Wertschätzung gegenüber all den vielen wunderbaren Menschen, die Teil unseres aufregenden Lebens sind mit sorgfältig erlesenen Liebeszeichen aus. Das setzt mich natürlich enorm unter Druck. Erst recht nach unserem Zusammenstoss.

So stehe ich am Abend vom 23. Dezember völlig genervt und überfordert im überfüllten Manor herum und überlege mir, was ich denn meiner lieben Frau unter den Weihnachtsbaum legen könnte. Grundsätzlich lässt ja alles was hier im Erdgeschoss angepriesen wird ihr Herz höher schlagen. Ich aber fühle mich eher von den Preisen er-schlagen und kaufe ihr dann trotzdem aus purer Panik das teuerste Weihnachtsgeschenk meiner Ära als Ehemann. Während ich auf dem Weg nach Hause durch die belebte Bahnhofstrasse schlendere und dabei ein prophetisches Dankgebet für die bevorstehende himmlische Versorgung ausspreche (schliesslich will ich für dieses überrisse Geschenk doch nicht bis in den März hinein bluten), merke ich, wie in mir eine grosse Freude Bahn bricht. Wo Durchbrüche geschehen knallt’s ja normalerweise auch. Ich glaube, mit diesem Geschenk habe ich mir soeben selbst einen riesigen Gefallen getan. Gott sei Dank war dies keine stille Nacht! Gott sei Dank hat es zwischen mir und Oana heute gekracht! Sonst hätten nicht nur im Manor die Kassen etwas weniger geklingelt, sondern es wäre vor allem in meinem Herzen still und öde geblieben. Stattdessen widerhallt nun ein Klang der Freude – es ist mir soeben gelungen, etwas von meiner grossen, aber leider oft verborgenen Liebe für meine Geliebte sichtbar zu machen. Wenn Gott Herzen aufbricht knallt’s – halt auch an Weihnachten! Und so viel kann ich euch bereits verraten – es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein, dass es während den Festtagen 2015 im Hause Zeltner laut krachte…    

 

25. Dezember 2015

Der Weihnachtsbaum brennt, oder besser gesagt die Kerzen, und unsere drei Kinder sind ganz kribblig vor Aufregung. Janis will unbedingt am nächsten zum Baum stehen, damit er auch die Geschenke gut sehen kann. Aber was der Älteste will, wollen die zwei Jüngeren natürlich auch. Es wird geschubst, gezogen und schon gibt’s als Vorspiel zur Bescherung einen schönen Krach. Zuerst ballt Sarah die Faust, weil Janis sie von ihrem Platz verdrängt hat, dann erobert Janis diesen gewaltsam zurück, wodurch Sarah’s lockiges Haar beinahe in Flammen aufgeht, weil sie im Tannenbaum landet. Das Klimpern der Christbaumkugeln wird von Oana’s kreischendem Aufschrei übertönt. Die Mutter des Hauses gerät völlig aus dem Häuschen und macht dem ältesten Goof lautstark klar, dass die Feuerwehr zwar auch rot angezogen ist, aber eigentlich hätten wir lieber den roten gekleideten Weihnachtsmann, der uns besuchen kommt. Zum ersten mal seit die Kerzen brennen haben wir die 90 Dezibel Marke überschritten und sind definitiv im roten Bereich, ohne dass wir überhaupt ein Lied angestimmt haben. Apropos stimmen – ich versuche bei dem Krach Janis’ Kindergitarre zu stimmen und überlege mir in welcher Tonart die schreienden Kinder wohl am besten «O du fröhliche» singen können. Ich entscheide mich für eine hohe Tonlage, um das chaotische Vorspiel mit fröhlichen Klängen zu übertönen. Das funktioniert sogar bestens (solche Sachen lehre ich ja schliesslich auch in der Worship Academy), die Stimmung ändert sich schlagartig und schon tanzen die Kinder zum mitreissenden Rhythmus. Bei meinen Eltern zu Hause wurde Weihnachten besinnlich gefeiert und meine Mutter legte stets Wert darauf, dass beim Liedersingen auch Jesus angebetet wurde. Krampfhaft versuche ich in meiner Rolle als Worship-Leiter nun meine Familie in das reiche Familienerbe einzuweihen. Doch die Augen der Kinder sind auf die Geschenke gerichtet und nicht den Herrn. Und so brechen wir die Übung ab. Die Kerzen sind gut erst 1cm abgebrannt, schon löscht Oana die Dochte wieder und schaltet die Zimmerbeleuchtung an. Schliesslich kann man bei schimmerndem Kerzenlicht schlecht Videoaufnahmen mit dem iPhone machen, um dann der ganzen Welt auf Facebook mitzuteilen, wie glücklich unsere Kinder am Weihnachtsabend sind. Die besinnliche Stimmung ist am Arsch. Da schreite ich in meiner Rolle als geistliches Familienoberhaupt mit erhobener Stimme ein (ungefähr 85 Dezibel – also gerade noch im grünen Bereich). Ich schaffe es wenigsten, dass Janis und Sarah beide ein 5-Sekunden Gebet sprechen. Sie danken Jesus dafür, dass er auf die Welt gekommen ist und wir nun einander beschenken können – dann ergreifen sie hastig die beiden grössten Pakete.

 

Zum ersten Mal seit die Christbaumkerzen erloschen sind, überschreiten wir erneut die 90 Dezibel Marke – diesmal jedoch wegen der kindlichen Freudenrufe – jetzt haben wir endlich frohe Weihnachten! Während der nächsten Stunde ist die Weihnachtsluft in unserer Wohnung vor allem mit dem Dinosaurier-Gebrüll von Janis’ neuem Spielzeug erfüllt, was mich by the way an die Weihnachtsgeschichte erinnert – da waren ja auch Tiere an der Krippe Jesu. Ich überlege mir krampfhaft wie ich meinen Kindern anhand der herumliegenden Requisiten die Weihnachtsgeschichte erzählen könnte – das macht man doch an Weihnachten in einer Pastoren-Familie. Aber soweit kommt es gar nicht. Die Tischbombe, welche wir eigentlich für Silvester gekauft haben, MUSS JETZT gezündet werden (ansonsten würden halt einfach die Nerven der Eltern platzen). Also knallt es einmal mehr bei unserer Weihnachtsfeier und ich frage mich, wieso eigentlich niemand Oropax am Weihnachtsmark verkauft. Jedenfalls haben wir zum dritten Mal an diesem Abend die 90 Dezibel Limite definitiv überschritten. Kurz darauf kracht es dann schon wieder – weder Oana noch ich hätten damit gerechnet, dass es zu einem Tischbomben-Afterschock kommen könnte. Boom – Lucas, unser Jüngste, nimmt Janis das Tischbomben-Spielzeug weg. Es wird gegenseitig an den blonden Haaren gezogen während ich mit einem Auge die Worte «ab 12 Jahre» auf der Tischbomben-Verpackung lese. Schöne Bescherung – jetzt ist man noch selber Schuld, dass das Spielzeug mehr Krach verursacht als eigentlich angenommen. Da nun «genug Heu unten ist», schicken wir die Kids genervt ins Bett (meine Stimme schwankt zwischen 85 und 91 Dezibel Lautstärke).

 

Erschöpft lege ich mich selbst hin und zweifle daran, ob ich ein guter Vater bin. Der Abend war eine Chilbi und sicherlich nicht das, was ich unter Jesus-zentrierte Weihnachten verstehe. Wenigstens hatte ich heute Nachmittag mit Janis, diesem Bengel, ein rund 20-minütiges Gespräch im Chor des Fraumünsters. Seine Faszination für Kirchen veranlasste uns dazu, dass wir das Grossmünster, das Fraumünster und die Predigerkirche besuchten. Er wollte unbedingt wissen, ob in diesen traditionellen Kirchen Menschen ein und aus gingen, die an Gott glauben – und falls nicht, dann wolle er das mal ändern. Pfarrer wolle er nämlich werden und dafür schauen, dass die Kirchen wieder voll werden. Während ich ganz gerührt die Chagall-Kirchenfenster bestaune, habe ich den Verdacht, dass dieser kleine Unruhestifter mal in dieser Stadt noch eine Reformation anzetteln könnte – dann wird’s hier richtig krachen! Am Nachmittag des 25. Dezembers war ich noch ganz begeistert von der Vorstellung, dass der Heilige Geist meinem 6-jährigen Jungen einen solchen Traum gegeben hat. Ich hätte einfach nicht damit gerechnet, dass dieser Junge am selben Abend bereits seine Berufung als Unruhestifter auslebt. Tja, Weihnachten ist voller Überraschungen! 

UNSERE WERTE SIND NICHT FÜR DIE HOMEPAGE, SONDERN FÜR JEDE BEGEGNUNG, JEDES PROJEKT, JEDEN GOTTESDIENST.

 

– TONI NYFFENEGGER

Weiterempfehlen:

Equippers Friedenskirche

Hirschengraben 52

8001 Zürich

Telefon: 044 260 82 55

E-Mail
Bewegung Plus